Bilanzpressekonferenz 2006 (2)
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  • STRABAG AG, Köln: Rede zur Bilanzpressekonferenz am 16.05.2006
    Dr. Thomas Birtel, Vorstand STRABAG AG
    (Es gilt das gesprochene Wort)
 
Erwerb DYWIDAG-Holding GmbH

Meine Damen und Herren,
im Hinblick auf unsere Unternehmensstruktur hat sich im vergangenen Geschäftsjahr, wie ich Ihnen zum Teil auch zur Bilanzpressekonferenz im Mai 2005 bereits berichtet habe, einiges verändert. Auch hierzu haben wir Ihnen eine Grafik vorbereitet. Rückwirkend zum Stichtag 1. April 2005 wurde aus der Insolvenzmasse der Walter Bau-AG die DYWIDAG-Holding GmbH mit ihren neu gegründeten Tochtergesellschaften DYWIDAG Bau GmbH sowie DYWIDAG Schlüsselfertig und Ingenieurbau GmbH, die in den Geschäftsfeldern „Tunnel- und Brückenbau“ und „Schlüsselfertiger Hochbau“ tätig sind, und HEILIT+WOERNER Bau GmbH, ein ausgewiesener Spezialisten im Bereich Betonstraßenbau, erworben.

Die HEILIT+WOERNER-Gruppe und die Rodinger Ingenieurbau GmbH, eine weitere Gesellschaft, die aus der Insolvenzmasse der Walter Bau-AG auf STRABAG überging, wurden im Geschäftsjahr in unser Segment Straßenbau integriert. Zu den bisherigen STRABAG-Aktivitäten in Deutschland sind durch die gut aufgestellten Auslandsgesellschaften der HEILIT+WOERNER-Gruppe nun auch nennenswerte Bauaktivitäten in Tschechien und Polen hinzugekommen. Mit dem Erwerb der HEILIT+WOERNER-Gruppe hat sich die STRABAG AG nicht nur regional, sondern auch im Geschäftsfeld Verkehrsflächen aus Beton deutlich verstärkt. Der Betonstraßenbau, der bislang in der STRABAG volumenmäßig hinter dem bituminösen Straßenbau zurück lag, findet vor allem bei Fernstraßen und Flughäfen Anwendung. Mit HEILIT+WOERNER wird zudem unser Leistungsspektrum im Bahnbau, insbesondere durch zusätzliche Systeme für „Feste Fahrbahnen“ für den Hochgeschwindigkeitsverkehr, in der Umwelttechnik sowie im Deponiebau erweitert. Die STRABAG hat mit diesen Akquisitionen ihre Marktführerschaft im deutschen Verkehrswegebau weiter ausgebaut.

Zusätzlich hat unsere Muttergesellschaft STRABAG SE in Wien mit Wirkung vom 1. Juni 2005 eine Beteiligung von 53,6 % an der Ed. Züblin AG in Stuttgart erworben, die mittlerweile auf 57,3 % erhöht wurde. Aufsichtsrat und Vorstand der STRABAG AG haben im Berichtsjahr entschieden, den Unternehmensbereich Hoch- und Ingenieurbau einschließlich der in diesem Segment aktiven Tochter- und Beteiligungsgesellschaften an die Ed. Züblin AG zu verkaufen. Aufgrund dieser Entscheidung haben wir im Geschäftsbericht 2005 die Vorgaben der IFRS umgesetzt, nach „continuing“ und „discontinued operations“ zu differenzieren. Nicht fortgeführte Aktivitäten werden separat ausgewiesen. Das Vorjahr wurde gemäß IFRS in der Gewinn- und Verlustrechnung angepasst, nicht aber in der Bilanz. Insgesamt sind von diesem Schritt rd. 2.800 Mitarbeiter und ein Leistungsvolumen von ca. 800 Mio. € betroffen, das wir natürlich geordnet mit Hilfe entsprechender vertraglicher Vereinbarungen mit der Ed. Züblin abwickeln werden.

Unsere Absicht, mit unserer Großaktionärin STRABAG S.E. in Österreich einen Beherrschungsvertrag abzuschließen, hat sich – wie Sie aus einer ad-hoc-Mitteilung wissen – nicht verwirklichen lassen. Die STRABAG S.E. hat uns unterrichtet, dass sie entsprechenden Überlegungen nicht weiter verfolgen möchte. Wir haben daraufhin die angelaufenen Vorbereitungen eingestellt. Ein Beherrschungsvertrag hätte konzerninterne Abläufe wesentlich vereinfacht und wäre daher aus unserer Sicht wünschenswert gewesen. Auch ohne einen solchen Vertrag lassen sich aber unsere strategischen Zielsetzungen ungeschmälert umsetzen.


Irak

Meine Damen und Herren,
ich möchte Sie an dieser Stelle kurz über das Thema Irak-Forderungen informieren.

Wie Sie wissen, haben die Ende 2004 vom so genannten „Pariser Club“ beschlossenen Rahmenbedingungen für eine Umschuldung des Irak im Berichtsjahr zu einem bilateralen Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Irak geführt. Daraus haben sich folgende Bedingungen für den Forderungsbestand der STRABAG AG aus den beiden Bauvorhaben Expressway Nr. 1/Los 11 und Basrah International Airport ergeben: Durch die vereinbarte Schuldenerlassquote von 80 % verringerte sich unser Forderungsbetrag in Höhe von 454,4 Mio. € inklusive Zinsen auf einen Grundbetrag von 91,4 Mio. €. Wir haben im ersten Quartal 2006 beschlossen, diese umgeschuldeten Forderungen durch eine Einmalzahlung abzulösen. Das beste am Markt verfügbare Angebot erbrachte einen Ablösungsbetrag von 59,5 Mio. €. Dieser Wert liegt um 2,4 Mio. € über dem Ansatz, der seit dem Jahr 1995 in der Bilanz der STRABAG AG aktiviert war. Im Jahresabschluss 2005 haben wir eine entsprechende Zuaktivierung auf den vertraglich vereinbarten Betrag vorgenommen. Im März 2006 ist uns der Kaufpreis in Höhe von 59,5 Mio. € zugeflossen, er wurde zur Reduzierung der Fremdmittelaufnahmen genutzt. Das Thema „Irak“ dürfte damit für unser Unternehmen erledigt sein.


Planung Geschäftsjahr 2006
Trotz der volkswirtschaftlichen Stagnation im Jahresschlussquartal 2005 ist mit einer weiteren Belebung des Wirtschaftswachstums im Jahr 2006 zu rechnen. Die deutsche Industrie hat im Januar 2006 wieder einen Anstieg der Auftragseingänge verzeichnet. Zuletzt wurde die Wachstumsprognose der Europäischen Union für Deutschland auf 1,5 % angehoben.

Wir erwarten zu Beginn des neuen Wirtschaftsjahres für Deutschland ein Ende der rezessiven Tendenzen des Baumarktes. Allerdings steht die Trendwende noch auf wackeligen Beinen. Zwischen den Regionen besteht ein erhebliches konjunkturelles Gefälle. Für den Gesamtmarkt geht der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie für das Jahr 2006 insgesamt von einem Nullwachstum (im Westen + 1,0 %, im Osten – 3,0 %) aus. Der Hauptverband erwartet steigende Umsatzwerte im Öffentlichen Bau (+ 1,5 %) und im Wirtschaftsbau (+ 0,5 %). Der Öffentliche Bau wird voraussichtlich von der Infrastrukturoffensive der Bundesregierung und der dank steigender Gewerbesteuereinnahmen verbesserten Finanzsituation der Kommunen profitieren.

Wir hoffen jedoch, dass die Talsohle jetzt erreicht ist. Die Versäumnisse der letzten Dekade, insbesondere die rückläufigen Investitionen in die Sanierung und Instandhaltung von Straßen, Tunnel und Brücken, wirken sich inzwischen in nicht unerheblichem Maße auf die Infrastruktur in Deutschland aus. Milliardenbeträge sind nötig, um die bestehende Bausubstanz zu erhalten und den für eine wettbewerbsfähige Volkswirtschaft notwendigen Mindestausbau der Infrastruktur zu bewältigen. So hat sich seit 1970 die Verkehrsleistung im Straßengüterverkehr verfünffacht, das reale Netto-Anlagevermögen Straßen und Brücken ist jedoch nur um 77% gewachsen. Ungeachtet der Bereitschaft der neuen Bundesregierung, im Rahmen eines Zukunftsfonds im Laufe von vier Jahren insgesamt 4,3 Mrd. € für Infrastrukturmaßnahmen zur Verfügung zu stellen, muss zusätzlich über die private Bereitstellung von Kapital für Infrastrukturvorhaben nachgedacht werden. Daher begrüßen wir, dass mit dem ÖPP-Beschleunigungsgesetz nun endlich die gesetzlichen Rahmenbedingungen für künftige PPP-Projekte im öffentlichen Sektor politisch fixiert werden konnten.

Als Marktführer im deutschen Straßenbau sehen wir bei der Realisierung des A-Modell-Katalogs große Chancen. Die ersten Pilotprojekte sind mittlerweile angelaufen. Für den Ausbau der A8 in Bayern und die Umfahrung Hörselberge der A4 in Thüringen haben wir uns mit unserem Konsortium für A-Modelle, KONFAM, präqualifiziert und befinden uns in der Angebotsphase. Für den Bau der A5 bei Offenburg und der A1 Hamburg–Bremen hat die Präqualifikationsphase begonnen.


Sehr geehrte Damen und Herren,
im STRABAG-Konzern planen wir für 2006 insgesamt eine mit – 4% leicht rückläufige Leistung. Dabei sind eventuelle Unternehmenserwerbe nicht berücksichtigt. Zwar rechnen wir in unseren verbleibenden Segmenten Straßenbau und Beteiligungen Österreich insgesamt mit einem Anstieg der Leistung. Dieser wird jedoch zunächst durch den Leistungsrückgang aus der Veräußerung des Segments Hochbau überkompensiert.

Bei der Ertragslage sehen unsere Planungen für das Geschäftjahr hingegen per saldo eine deutliche Verbesserung der Ertragslage vor. Alle Unternehmensbereiche planen einen deutlich positiven Beitrag zum Gesamtergebnis.

Fortsetzung auf Seite 3