STRABAG jetzt die Nr. 1 am deutschen Bau
Rückfragen
Birgit Kümmel
Konzernkommunikation
Telefon +49 221 824-2472
presse(at)strabag.com

 
  • STRABAG AG, Köln: Rede zur Bilanzpressekonferenz am 10.05.2005
    Dr. Thomas Birtel, Vorstand STRABAG AG
    (Es gilt das gesprochene Wort)
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
der beispiellos lang anhaltende Niedergang des deutschen Bauhauptgewerbes hat sich auch im Jahr 2004 fortgesetzt. Die schwache Erholung des Bruttoinlandsprodukts (real +1,7 %), die allein den Exporten zu verdanken war, konnte den Baumarkt im Inland offensichtlich nicht anregen. Die deutsche Bauwirtschaft erweist sich weiterhin als Schlusslicht der europäischen Baukonjunktur. Der Rückgang der Auftragseingänge in Deutschland hat sich im Vergleich zum Vorjahr zwar abgemildert, liegt aber inzwischen nominal um 44 % unter den Werten des Jahres 1995. Zu diesem Rückgang hat das Jahr 2004 noch einmal mit einem Minus von 5,7 % beigetragen.

Im Gegensatz zu den Vorjahren ist die Schrumpfung der Auftragseingänge in den alten Bundesländern mit 5,4 % geringer ausgefallen als in den neuen Bundesländern mit 6,8 %.

Trotz Überkapazitäten und Niedriglohnkonkurrenz stiegen die Baupreise aufgrund der höheren Rohstoffpreise, vor allem für Stahl, im Jahr 2004 in einigen Bereichen leicht an. Das niedrige, teilweise ruinöse Preisniveau wurde aber nicht wirklich bereinigt. Der baugewerbliche Umsatz lag 2004 um 6,4 % unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Dies wirkte sich erneut auf die Beschäftigtenzahl aus, die im Jahresverlauf um 6,2 % auf 712.000 Personen (im Jahresdurchschnitt ohne Inhaber) zurückging. Seit 1995 sind somit im deutschen Bauhauptgewerbe 647.000 Arbeitsplätze verloren gegangen.


Geschäftsjahr 2004 bei STRABAG
Meine Damen und Herren, unter diesen Rahmenbedingungen hat sich die STRABAG insgesamt auch im Jahr 2004 behauptet.

Der Auftragseingang der STRABAG-Gruppe einschließlich ihrer Anteile an Beteiligungsgesellschaften und Arbeitsgemeinschaften stieg im Jahr 2004 um 22 % auf 3,8 Mrd. € an. Nur auf das Inland bezogen, konnten wir gegenüber dem Vorjahr einen um 2 % auf 2,0 Mrd. € leicht erhöhten Auftragseingang verzeichnen.

Das rezessive Umfeld ist an der Geschäftsentwicklung des Straßenbaus nicht spurlos vorübergegangen. So ging der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahr geringfügig um 3,8 % zurück. Der Anteil des Segments Straßenbau an unserem gesamten Auftragseingang – ohne die Beteiligungen in Österreich – war aber entsprechend unserer strategischen Zielsetzung mit 52 % sehr hoch. Der Unternehmensbereich hat sich über dem Niveau des Marktes behauptet.

Der um 19,5 % erhöhte Auftragseingang unseres Hochbaus ist nahezu allein auf unsere Direktion Nord zurückzuführen, der es gelungen ist, einige Großprojekte zu akquirieren.
In Reaktion auf die hohen Leerstandsquoten und den insbesondere in den Großstädten zu erkennenden Mietermarkt hat die STRABAG Projektentwicklung bewusst nur wenige Projekte begonnen. Ihr Auftragseingang ist daher im Vergleich zum Jahr 2003 um zwei Drittel rückläufig.

Im Ausland hat unsere 35 %-Beteiligung Bau Holding Beteiligungs AG (BHB) mehrere große Autobahn-Lose in Ungarn (598 Mio. €), Kroatien (43 Mio. €) und Polen (119 Mio. €) hereingenommen. Darüber hinaus wurde ein großes Straßenbauprojekt in Irland (43 Mio. €) akquiriert; in Österreich hat die BHB den Auftrag für den Bau der Schienen-Tunnelkette Perschling (107 Mio. €) erhalten. Insgesamt lag der anteilige Auftragseingang um 66 % über dem Vorjahreswert. Auch in Benelux ist der Auftragseingang deutlich angestiegen.

Mit unserem vor mehr als zehn Jahren eingeführten und seitdem immer weiter entwickelten Partnering-Modell „STRABAG teamconcept“ ist es gelungen, einen nennenswerten Teil der Hochbauleistung außerhalb des derzeit herrschenden ruinösen Preiswettbewerbs zu erbringen.
Ab dem 1. Januar dieses Jahres haben wir unser Experten-Know-how im Ingenieurtiefbau in einer neuen, gleichnamigen Direktion gebündelt, um in diesem technisch anspruchsvollen Spezialbereich zukünftig noch schlagkräftiger zu werden. Wir werden im Ingenieurtiefbau zudem durch die Übernahme wesentlicher Aktivitäten aus der Walter-Insolvenz unter dem traditionellen Markennamen „DYWIDAG“ einen Quantensprung machen. Auf diese Transaktion gehe ich später noch zusammenfassend ein.

Die Bauleistung der STRABAG-Gruppe erreichte mit einem Wert von 3,4 Mrd. € im Jahr 2004 genau das Vorjahresniveau. Der rund 6%ige Rückgang im Inland wurde durch Mehrleistung im Ausland kompensiert.

In unserem Segment Straßenbau haben wir die Marktentwicklung antizipiert und die Planleistung um 9 % zurückgenommen.

Im Segment Hochbau wurde nur durch die Arbeit an einigen sehr großen – größtenteils mittlerweile abgeschlossenen – Projekten das Leistungsniveau des Vorjahres erreicht.
Im Segment Übrige Bausparten kam etwas mehr als die Hälfte der Leistung aus Projektentwicklungen, der restliche Anteil wurde überwiegend im Ingenieurtiefbau erbracht.

Die Arbeit an Großprojekten ermöglichte auch unserer Beteiligung BHB eine im Vergleich zum Vorjahr um 13 % höhere Leistung. In den Benelux-Ländern lag die Leistung leicht unter dem Vorjahreswert (– 2 %). Die gesamte im Ausland erbrachte Leistung lag aber um 11 % über dem Wert von 2003.

Der Anteil der Auslandsbauleistung der STRABAG-Gruppe stieg im Jahr 2004 auf 43 % (Vorjahr 39 %) an.

Am 31. Dezember erreichte unser Auftragsbestand 2,6 Mrd. € und übertraf damit den vergleichbaren Vorjahreswert um 32 %. In Deutschland stieg er um 12 % auf 1,2 Mrd. € an. Insgesamt deckt der Auftragsbestand unsere Planleistung rechnerisch für neun Monate ab.

Gegenüber dem Vorjahr ist die Anzahl unserer Mitarbeiter aufgrund weiterer Kapazitätsanpassungen um 8 % auf 10.495 Beschäftigte zurückgegangen.

 
Meine Damen und Herren,
im Geschäftsjahr 2004 konnte die STRABAG nur im Einzelabschluss an das positive Ergebnis des Vorjahres anknüpfen. Dieser schließt mit einem Jahresüberschuss von 4,5 Mio. € ab. Hierin ist eine Dividende der Bau Holding Beteiligungs AG in Höhe von 30,1 Mio. € enthalten. Unter Berücksichtigung eines Gewinnvortrags in Höhe von 5,6 Mio. € weist der Einzelabschluss der STRABAG AG einen Bilanzgewinn von 10,1 Mio. € aus.

Dieser Effekt wird im Konzernabschluss eliminiert und durch die at-equity-Konsolidierung des laufenden BHB-Ergebnisses ersetzt. Das Konzernergebnis (EBT) der STRABAG AG, Köln, liegt vor Steuern bei – 5,4 Mio. € und damit um 10,6 Mio. € unter dem Vorjahreswert.

Verluste bei zwei inzwischen abgeschlossenen, noch nicht endverhandelten Bauprojekten sowie weitere, jedoch gegenüber den Vorjahren rückläufige Aufwendungen zur Kapazitätsanpassung haben zu einem insgesamt negativen Konzernergebnis beigetragen. Das Betriebliche Ergebnis fiel entsprechend um 8,3 Mio. € auf insgesamt 8,2 Mio. €. Während unser leistungsfähiges Segment Straßenbau trotz der insgesamt schwächeren Marktsituation sein Ergebnis um 3,3 Mio. € auf 14,8 Mio. € steigern konnte, führten die negativen Vorgaben des Hochbaus zu diesem insgesamt unbefriedigenden Ergebnis.

Am Jahresende betrugen die liquiden Mittel und Wertpapiere des STRABAG-Konzerns 73,3 Mio. € (Vorjahr 175,4 Mio. €). Dieser Rückgang war zu einem großen Teil geplant, ist aber auch geprägt durch die beiden erwähnten Verlustbaustellen.

Fortsetzung auf Seite 2