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  • STRABAG AG, Köln: Rede zur Bilanzpressekonferenz am 10.05.2005
    Dr. Thomas Birtel, Vorstand STRABAG AG
    (Es gilt das gesprochene Wort)
 
Irak

Meine Damen und Herren,
ich möchte jetzt die Gelegenheit nutzen, Ihnen unsere derzeitige Beurteilung der Umschuldungslage des Irak zu schildern.

Ende November 2004 hat der so genannte „Pariser Club“ die Rahmenbedingungen für eine Umschuldung des Irak beschlossen. Der davon betroffene Forderungsbestand der Gesellschaft gegenüber der Republik Irak aus den beiden Bauvorhaben Ex-pressway No. 1/Lot 11 und Basrah International Airport hat sich per 31.12.2004 im Vergleich zum Vorjahr durch Zinseffekte von 416,0 Mio. € auf 450,8 Mio. € erhöht. Die vom „Pariser Club“ beschlossenen Rahmenbedingungen führen wegen der Zinshöhe und der Zinslaufzeit zu Abschlägen. Dadurch reduziert sich der umschuldungsrelevante Forderungsbestand auf 417,2 Mio. €. Davon sind unverändert 57,1 Mio. € als langfristige Forderungen in der Bilanz der STRABAG AG bewertet. Der Forderungsbestand ist zu 194,0 Mio. € mit rechtskräftigen Titeln unterlegt, die vor deutschen Gerichten erstritten wurden und eine Verjährungsfrist von dreißig Jahren besitzen. Zu weiteren 32,0 Mio. € an Forderungen, bei denen die Verjährung im Vorjahr ebenfalls durch Klageerhebung gehemmt wurde, sind bislang keine Urteile ergangen.

Die Rahmenbedingungen des „Pariser Clubs“ müssen allerdings noch von jedem Gläubigerland bilateral in Umschuldungsabkommen mit dem Schuldnerstaat umgesetzt werden. Eine entsprechende Vereinbarung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Irak wird für Ende 2005 erwartet. Nach derzeitigem Kenntnisstand geht die STRABAG AG von folgenden Rahmenbedingungen aus:
• Die Schuldenerlassquote wird über drei Stufen letztlich 80 % erreichen.
• Als Umschuldungszeitraum werden den betroffenen Exporteuren zwei verschiedene Modelle mit einer 23-jährigen bzw. 33-jährigen Laufzeit (jeweils einschließlich sechs Freijahre) zur Wahl gestellt.
• Die Umschuldung wird neben Kapital- auch Zinsforderungen erfassen und mit einem Konsolidierungszinssatz versehen werden, dessen Höhe sich an den Refinanzierungskosten des Bundes orientiert.

Mit diesen Rahmenbedingungen wird der deutschen Bauindustrie, die rd. 70 % aller deutschen Unternehmensforderungen gegenüber dem Irak innehat, ein Forderungsverzicht zugemutet, dessen Höhe bislang ohne Beispiel ist. Bei seiner Festlegung standen eindeutig politische Motive im Vordergrund. Deshalb erwartet die deutsche Bauindustrie vom Bund flankierende Maßnahmen, um die erwarteten Einbußen verkraftbar zu machen.

Auf Grundlage aller bisher bekannt gewordenen Informationen geht die STRABAG AG unverändert davon aus, dass der bewertete Bilanzansatz der Irak-Forderungen von rund 57,1 Mio. € weiterhin mindestens gedeckt ist. Es bleibt angesichts der gegenwärtigen Verhältnisse lediglich abzuwarten, ob der beschriebene Zeithorizont zur Umsetzung der noch offenen Schritte zur endgültigen Verabschiedung der Umschuldung einzuhalten sein wird.

 
Planung 2005
Die von der Bundesregierung propagierte konjunkturelle Trendwende der deutschen Wirtschaft hat sich im zweiten Halbjahr 2004 wieder deutlich abgeschwächt. Die ursprünglichen Wachstumsprognosen für 2005 wurden aktuell nach unten korrigiert. Zurzeit deutet vieles auf ein bescheidenes Wachstum von rd. 0,8 % für 2005 hin.

Wir gehen für das Jahr 2005 insgesamt von einer leicht rückläufigen Baukonjunktur aus. Allerdings hat das Bundeskabinett am 20.04.2005 ein zusätzliches Investitionsprogramm für die Verkehrsinfrastruktur in Höhe von 2 Mrd. € beschlossen. Daraus sollen in den kommenden vier Jahren zusätzlich 900 Mio. €  für den Bau und die Sanierung von Straßen, 750 Mio. € für Schienenwege und 350 Mio. € für Wasserstraßen ausgegeben werden. 500 Mio. € sind bereits für das laufende Jahr zusätzlich zum bisher vorgesehenen Etat geplant. Das Kabinett hat überdies beschlossen, das Programm zur Gebäudesanierung vorzuziehen und dafür in den Jahren 2006 und 2007 insgesamt 720 Mio. € bereitzustellen. Die Bundesregierung gleicht damit einen Teil der Kürzungen aus, die Rot-Grün und die Union Ende 2003 gemeinsam beschlossen hatten. Es soll sich um zusätzliche Mittel handeln, die nicht mit eventuellen Mehreinnahmen aus der LKW-Maut verrechnet werden. Hier ist also ein kleiner Silberstreif am Horizont zu sehen.

Wir haben schon vor über fünf Jahren erkannt, was andere namhafte deutsche Baukonzerne erst jetzt zu einem Strategiewechsel veranlasst. Angesichts des hohen Investitionsstaus für seit langem überfällige Ersatzmaßnahmen im Straßenbau einerseits und weiter steigende Anforderungen an unsere Infrastruktur andererseits, erwarten wir – finanziert nicht zuletzt durch Einnahmen der LKW-Maut – eine kurzfristige Realisierung des A-Modell-Katalogs. Schon 2005 sollen fünf ausgesuchte Autobahnteilstücke im gesamten Bundesgebiet auf acht Fahrspuren ausgebaut werden. Das erste dieser regelmäßig im dreistelligen Millionenbereich liegenden Projekte ist bereits im März dieses Jahres zur Ausschreibung gelangt. Es handelt sich dabei um die A 8 (Augsburg-West–München-Allach). Als Marktführer sehen wir uns in guter Position, eine prominente Rolle bei der Vergabe übernehmen zu können. Auch im Hochbau erwarten wir zunehmende Privatisierungen öffentlicher Aufgaben. Im Wirtschaftsbau dürfte mit modernen Büroimmobilien an den richtigen Standorten eine erste, leichte Erholung eingeleitet werden.

Unsere Ergebnisplanung 2005 der STRABAG-Fläche Deutschland liegt auf dem Niveau des Vorjahres und damit deutlich über dem durch Sondereffekte belasteten Ist-Ergebnis 2004. Die Leistung wird insgesamt in der Fläche Deutschland weiter rückläufig sein.

Im ersten Quartal 2005 lag unsere Bauleistung mit 496 Mio. € leicht unter dem Vorjahreswert. Der Auftragsbestand erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 24 % auf 2,9 Mrd. €.

(Diese Angaben beziehen sich – wie alle zuvor getroffenen Aussagen – auf die STRABAG AG, Köln, vor Eingliederung der DYWIDAG-Holding.)


Konzernstruktur
Die Bauholding STRABAG AG, die mit 66 % an unserem Aktienkapital beteiligt ist, wurde am 12. Oktober 2004 als erste Gesellschaft in Österreich und wohl in der gesamten EU in eine Societas Europaea (SE) umgewandelt. Damit wurde eine neue europäische Identität geschaffen, die zur Stärkung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Position des Unternehmens in der Europäischen Gemeinschaft beiträgt.
Die Geschäftsfelder Konzessions- und Betreibermodelle werden in der Schwestergesellschaft A-WAY konzentriert.

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